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Albtraum vom "gläsernen" Surfer

Name, Adresse, Surfgewohnheiten, Einkaufswünsche - das ist der Albtraum vom "gläsernen Surfer". Die weltgrößte Internet-Werbe-Firma wollte ihn realisieren. Erst der Druck von Behörden und der Öffentlichkeit bewegte die Firma zu einem "Moratorium".

Wer im Internet surft, hinterlässt überall spuren. E-Mail-Adresse und Browser-Typ - das wäre ja eher noch kein Problem. Doch es gibt "Cookies". Die meisten kommerziellen Anbieter schicken so einen "Keks" auf den Rechner. Zum Beispiel um herauszufinden, was der Besucher sich am liebsten auf den Webseiten ansieht. Der Cookie zeichnet dies auf und macht dem Absender-Rechner Mitteilung.

Grundsätzlich ist gegen Cookies nicht viel einzuwenden. Sie haben zum Beispiel beim Online-Shopping oder bei passwortgeschützten Angeboten ihre Vorzüge.

Keks mit Abfragefunktion

Doch es gibt auch Kehrseiten. Die Firma Doubleclick ist eine Agentur, die im Auftrag kommerzieller Anbieter, Werbeflächen bereitstellt. Wer also eine Seite im Internet aufruft, die einen Werbebanner von Doubleclick enthält, bekommt einen Cookie. Dieser Cookie bleibt auch dann aktiv, wenn man eine völlig andere Internet-Seite aufruft, die ebenfalls Werbebanner von Doubleclick enthält. Doch Doubleclick hat hier die Möglichkeit abzufragen, wo der Surfer zuvor gewesen ist. Doubleclick weltweit der größte Anbieter für Internet-Werbung.

Laut der US-Tageszeitung
USA-Today soll Doubleclick seit seiner Gründung etwa 100 Millionen Cookies auf Heim-PCs versandt haben. Das zeigt, dass auch zahllose deutsche Surfer Doublelick-Cookies auf ihren Rechnern hatten, bzw. haben. Auch deshalb, weil die Firma in Deutschland ihre Dienstleistungen verkauft. Die Cookies protokollieren, was sich der Surfer anschaut. So entsteht ein Surfprofil.

Doch damit nicht genug. Ende 1999 fusionierte Doubleclick mit der US Marktforschungsfirma "Abacus Direct Corporation". Abacus verfügt über "große Datenmengen", wie das
Wall Street Journal brichtete. Die direkt-Marketing Firma halte "persönliche Daten aus 90 % der amerikanischen Haushalte" vor.

"Judnik gegen Doubleclick"

Während Verbraucherschützer Sturm laufen, erhebt eine Kalifornierin am 27. Januar Klage gegen Doubleclick. Der Werbebanner-Verkäufer nutze Cookies, um Internet Nutzer zu identifizieren, um ihre Internet-Nutzung und ihr Surf-Verhalten zu protokollieren und erhalte eine Fülle von sehr vertraulichen und persönlichen Informationen ohne Zustimmung der Nutzer, zitiert das Wall Street Journal die Klageschift im Fall "Judnick gegen Doubleclick, Inc.". Die erhaltenen Informationen, so das Papier weiter, enthielten sensible Daten wie Namen, Adressen, Alter, Einkaufsverhalten und sogar finanzielle Informationen.

Nun beginnt die US-Behörde
Federal Trade Commision (FTC) ihre Ermittlungen. Laut Washington Post bestätigte am 16. 2. Doubleclick CEO O'Connor dies und eklärte, man werde mit der FTC "voll kooperieren". Unterdessen kündigte die Oberstaatsanwältin des US-Bundesstaates Michigan ebenfalls Klage an, auf der Grundlage der Verbrauchergesetze. Doubleclicks Verbraucher-Beobachtung "ist eine geheime Online-Überwachung (cyber wiretap)" sagte Jennifer M. Granholm zur Washington Post. "Der normale Verbraucher hat keine Ahnung davon, dass er ausspioniert wird."

Doubleclick versuchte den Proteststürmen mit einer bemerkenswerten Aktion entgegenzutreten: Man schuf Internetseiten, auf denen Verbraucher "aufgeklärt" wurden und auf denen sie sich "gegen die Datensammlung durch Cookies" entscheiden konnten (opt-out). Die Aktion schien die Empörung nur noch zu steigern. Denn erwartet worden war von Juristen, dass Doubleclick eine Möglichkeit schafft, bei der Kunden erst um ihre Zustimmung gefragt werden, bevor man ihre Daten sammelt.

Ahnungslose ausspioniert

Unterdessen wurden weitere Details bekannt, die Doubleclick allerdings alle bestritt. Altavista, bekannt durch die Suchmaschine und angeblich einer der größten Kunden (Anteil am Umsatz ca. 20 Prozent) soll Doubleclick untersagt haben, Kundendaten zu sammeln, berichtete das Wall Street Journal. Das Wirtschaftsblatt will schließlich auch herausgefunden haben, dass Doubleclick auch personenbezogene Surfer-Informationen von Intuit- und Buy.com-Kunden erhalte. Lässt ein Nutzer auf der populären Quicken-Website von Intuit beispielsweise eine Zinsberechnung durchführen, so leitet die Site die Kundeneingaben weiter. Schuld daran sei die von Intuit benutzte Prozedur. Nach Angaben des Heise-Verlages habe Intuit sofort reagiert und sämtliche Doubleclick-Werbebanner von der Website genommen.

Am 3.3. erklärte Doubleclick CEO O'Connor schießlich reumütig: "Mit der Planung, Namen mit anonymen Nutzer-Aktivitäten zusammenzuführen, habe ich einen Fehler gemacht." Die Zusammenführung sei auf Eis gelegt, bis zwischen Industrie und Regierung ein Standard verabschiedet ist, der die Privatsphäre der Internet-Nutzer regelt.

Dieser Fall ging nochmal gut aus. getoese.de/3-00