Archiv: Entführung der Wallerts

Am 27.08.2000 kam endlich die Nachricht: Werner Wallert ist frei. Vier Monate hatte die Entführung des Göttinger Lehrers auf der philippinischen Insel Jolo angedauert. Der 57-Jährige wurde zusammen mit den letzten vier Geiseln auf freien Fuß gesetzt.

Nach Angaben aus Vermittlerkreisen sollen für jede der fünf Geiseln eine Million US-Dollar Lösegeld gezahlt worden sein. Offenbar spielte Libyen eine Schlüsselrolle bei den Vermittlungen mit den Entführern.

Der Albtraum begann am Ostersonntag 2000 auf der Insel Sipadan, Malaysia: Sie kamen nach Einbruch der Dunkelheit. Männer mit automatischen Feurwaffen überfielen das veträumte Taucher-Resort  auf dem Atoll Sipadan, nordöstlich der Küste von Sabah. Polizei- und Augenzeugenberichten zufolge wurden 20 Touristen auf Boote verschleppt, die in Richtung philippinischer Gewässer verschwanden. Berichten zufolge waren die Entführten am Montag "wohlauf", wie es hieß. Der Westdeutsche Rundfunk berichtete Montag, dass sich unter den Entführten auch drei Deutsche aus Göttingen (die Familie Wallert - wie später bekannt wurde) befinden. Der malaisische Verteidigungsminister Najib Razak erklärte am Montag, man wisse wo sich die Entführer mit ihren Geiseln aufhielten. Polizeichef Norian Mai erklärte, dass die Entführung "möglicherweise in Zusammenhang steht mit Abu Sayyaf", einem moslemischen Separatisten einer Gruppe, die sich auf den nahegelegenen philippinischen Sulu-Inseln aufhält. Nach seinen derzeitigen Erkenntnissen handele es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine politisch motivierte Entführung, sagte er.

Berichte des britischen Nachrichtensenders BBC bestätigen die Vermutung, dass die Entführung eine weitere Taktik von Abu Sayyaf sei, dessen Gruppe sich gegenwärtig Kämpfe mit den philippinischen Regierungstruppen liefere.

Taucher, Moslems,
Katholiken und Piraten

Sipadan ist eine weltbekannte Taucherinsel nahe Sabah, der malaisischen Seite der Insel Borneo. Jacques Cousteau  soll das Tauchrevier einst als "unberührtes Stück Kunst" bezeichnet haben. Rund 400.000 Touristen sollen Sabah jährlich besuchen. Ein Paradies mit Schattenseiten. Fragen Sie mal einen Skipper, ob er einen Törn ins Südchinesische Meer unternehmen möchte. Doch selbst Riesentanker und Hafenstädte sind nicht sicher vor den Piraten der Region. 1999 berichtete das International Maritime Bureau (IMB) von Malaysia 285 Attacken von Piraten. Die Dunkelziffer dürfte gigantisch sein. Spielregeln gibt es nicht: Mal werden Schutzgelder von Frachter-Besatzungen oder Fischern verlangt, mitunter verschwinden auch ganze Schiffe inklusive der Mannschaften.

Auf der anderen Seite toben auf einzelnen, benachbarten philippinischen Inseln blutige Kämpfe zwischen Separatisten und Regierungstruppen. Offiziell werden die Auseinandersetzungen mit Glaubenskonflikten gerechtfertigt. Auf der einen Seite steht die moslemische Minderheit und auf der anderen sind die katholischen Regierungstruppen. Die Fronten sind verhärtet, die Übermacht der Regierung groß. Es liegt nahe, dass einzelne separatistische Gruppen zu allen Mitteln greifen.

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