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Kein Licht, keine Wärme - egal: In
den Tiefen des Nordatlantiks, vor der Norwegischen in der englischen
Küste wachsen Korallenriffe. In bis zu 2000 Metern Tiefe.
Es war eines der größten Riffe, die man Mitte der 90er Jahre
entdeckte: 64 Kilometer lang und bis zu 350 Meter hoch. Das gigantische
Naturereignis, berichtet The
Irish Times, war in etwa 800 Metern Tiefe vor der Westküste
Irlands gelegen: "Rockall Trough".
Die Existenz der Tiefseekorallen ist erst seit kurzem bekannt. 1869
sollen sie erstmals vor der irischen Westküste entdeckt worden
sein, im Rahmen einer von der Royal Irish Academy und der Royal Dublin
Society finanzierten Forschungsreise. Viele Details sind bis heute unbekannt.
Zahlreiche Forschergruppen, darunter das Team um Prof.
André Freiwald, Paläontologe an der Universität
Tübingen, arbeiten daran, die Geheimnisse zu entschlüsseln.
Dies ist immerhin bekannt:
- Die Korallen können in Tiefen zwischen 80 und offenbar
sogar bis zu 2000 Metern leben;
- Im Nordostatlantik handelt es sich in der Hauptsache um
die Spezies Lophelia pertusa;
- Es gibt eine Reihe grundlegender Unterschiede zwischen
Tiefsee- und tropischen Korallen. Die Kaltwasser-Korallen können
ohne Sonne überleben und damit ohne Photosynthese treibende Algen,
die im Flachwasser die Korallen mit Nährstoffen versorgen.
- Nach Angaben von Prof. Freiwald wachsen die Tiefsee-Korallen
trotz beinahe eisiger Temperaturen bis zu zweieinhalb Zentimeter pro
Jahr;
- Sie beheimaten eine etwa so große Tier- und Pflanzen-Gemeinde
wie ihre tropischen Verwandten. Sie bieten hunderten von Arten Schutz
und Nahrung, darunter Weichkorallen, Schwämme, Seesterne, Krabben
sowie zahlreiche Fischarten.
Unklar ist jedoch auch eine der grundlegenden Fragen: Wie kommt es in
solchen Tiefen und bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius zu
dem beeindruckenden Wachstum? Gibt es Zusammenhänge zwischen dem
Korallenvorkommen und den Öl- und Gasreservoirs des Nordatlantiks?
Könnte es sein, das Methangas bzw. Kohlenwasserstoffe das Korallenwachstum
fördern, direkt oder indirekt, in dem sich die Korallen von Bakterien
ernähren, die sich ihrerseits von diesen Substanzen "ernähren"?
Die Forscher erwarten von den Korallen selbst Antworten auf ganz andere
Fragen. Das Skelett der Korallen ist ein Klimaarchiv. Deutsche Forscher
untersuchen die Riffe vor der norwegischen Küste, die vor rund
8000 Jahren entstanden, nachdem die letzten Eiszeitgletscher sich zurückgezogen
hatten. Allerdings muss das Archiv noch "entschlüsselt"
werden.
Zu befürchten ist, dass auch die Tiefseekorallen durch die Industriegesellschaften
bedroht sind. Insbesondere durch direkte Schädigungen. Die Tiefseefischerei
durchpflügt heute mit ihren Schleppnetzen selbst Tiefen bis zu
1500 Meter. Eine Bedrohung stellen offenbar auch die Erdölkonzerne
dar. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte in England per Gerichtsbeschluss
die Suche nach Gas- und Ölreservoirs zugunsten der Riffe untersagen
lassen wollen. Allerdings ohne Erfolg.

Quellen und weitergehende Informationen:
"Tiefwasser-Riffe".
Seiten der Arbeitsgruppe um Prof. André Freiwald, Universität
Tübingen. (deutsch).
Klimagedächtsnis
Korallen - ein Beitrag des TV-Senders arte vom 5. 10. 1999 (deutsch).
"Discovery
of a huge coral reef" Bericht der Tageszeitung "The Irish
Times", Dublin, Irland, 13. 9. 1999.
"Coral
Reefs in Irish Waters". Projekt der "Ecological Consultancy
Services Ltd" (EcoServe), Dublin, Irland, 1998.
"Biology
of the deep sea coral". Projekt der EcoServe, 1998.
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