Vieles wird in letzter Zeit ueber das
"coral bleaching" geschrieben und gesprochen .
Manche vertreten die Meinung, alle Korallen
seien tot – andere wiederum sehen die Situation weniger
drastisch.
Einige Annahmen und Vermutungen
sprechen sogar von der voelligen Zerstoerung eines der letzten
Tauchparadiese der Erde.
Was davon ist nun tatsaechlich wahr und wie
ist die aktuelle Situation ?
HINTERGRUND
Korallen sind sehr sensible Organismen, die
nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren koennen (20 –
30 Grad Celsius ).
Wenn die Wassertemperatur
einen bestimmten Wert fuer laengere Zeit uebersteigt, werden die als
Symbiose in den riffbildenden Steinkorallen lebenden mikroskopisch
kleinen Algen (Zooxanthellen) abgestossen.
Diese Algen sind nicht nur fuer die Farbe der Korallen
verantwortlich sondern sie versorgen diese , was noch viel wichtiger
ist , mit lebensnotwendiger Nahrung , die wiederum fuer die
Kalkbildung und somit das Korallenwachstum notwendig ist.
Als erstes Anzeichen eines Korallenstresses
sieht man zunaechst einen beginnenden Farbverlust ( Ausbleichen =
"bleaching") der Steinkorallen je nachdem wieviele Algen
die Koralle bereits "verlassen" haben.
Wenn die Stresssituation ( zB. hohe Wassertemperatur) ueber
laengere Zeit hinweg anhaelt und schliesslich alle Algen die Koralle
verlassen haben bleibt das weisse Kalkskelett uebrig und die Koralle
stirbt schliesslich an Nahrungsmangel ab.
Je
nach Art der Koralle verlassen die Algensymbionten ihren
"Wirt" frueher oder spaeter und bei manchen Arten konnte
sich der Algenbestand wieder erholen und ergaenzt werden.
Aufgrund der weltweit ansteigenden Temperaturen
und des Aufkommens des "El Nino" kam es im Sommer 1998
weltweit zu einer solchen "Stresssituation" der Riffe.
Der Korallenbestand der Malediven war tiefen-
und damit temperaturabhaengig unterschiedlich von dieser Stresssituation betroffen und
nicht alle Korallen reagierten in gleichen Ausmass auf diese.
"El Nino" werden auch die extrem
hohen Wassertemperaturen an der Ostkueste Afrikas zugeschrieben, die
1998 gemessen wurden.
Dieses nie zuvor
dagewesene Phaenomen erreichte auch die Malediven gegen Ende Mai
1998 , wodurch die Wassertemperaturen auf 31 Grad und in einigen
Regionen sogar noch hoeher anstiegen und ueber laengeren Zeitraum
anhielten .
Dies betraf wie gesagt nicht nur
das Gebiet der Malediven sondern weltweit fast alle Riffzonen .
All dies fuhrte zu einem globalen Bleichen und teilweisen Absterben der
Korallen.
Als zusaetzliche Stressfaktoren
koennen Stuerme und die generell zunehmende Verschmutzung der
Weltmeere allgemein angesehen werden und das Gesamtbild
verschlechtern.
Diese beiden anderen
Stressfaktoren kommen gluecklicherweise auf den Malediven so gut wie
kaum vor und daher war das Ausmass der Korallenbleiche letztendlich
hier noch geringer als in anderen Gebieten der Welt.
DIE MALEDIVEN – EIN KORALLENPARADIES
ODER FISCHPARADIES ?
Erfahrene und weitgereiste Freunde des
Tauchsportes, die etwa das Rote Meer, die Karibik oder andere
Taucherparadiese wie Suedostasien kennengelernt haben, schaetzen das
Tauchgebiet der Malediven als ganz etwas Besonderes und
Andersartiges.
Der besonders grosse und
vielfaeltige Artenreichtum sowie die geringe Scheu der Lebewesen
Tauchern gegenueber machen den Tauchsport hier so besonders
interessant und abwechslungsreich.
Nur in
wenigen Gebieten der Erde ist es moeglich, so gefahrlos und
entspannt Begegnungen mit den "grossen" freilebenden
Lebewesen der Meere zu erleben wie auf den Malediven.
Weder der Taucher noch das andere Lebewesen
werden bei dem Zusammentreffen gestoert oder einer Gefahr ausgesetzt
und es sind fantastische Beobachtungen aus naechster Naehe moeglich
wie zB. eine Meeresschildkroete beim Fressen, eine Schule von Mantas
, die majestaetisch und elegant ueber einer Putzerstation schwebt
und den Taucher fast "hautnah" an sich heranlaesst ,
unvergesslich auch ein Besuch bei den grauen Riffhaien oder eine
Begegnung , von der alle Taucher traeumen : das Gefuehl, dem
groessten aller Fische – einem Walhai - Aug in Aug
gegenueberzuschwimmen !
Auf den Malediven
ist all das moeglich und nicht nur selten sondern regelmaessig
– fast garantiert !!
Diese absolute Naehe zur Natur in ihrer urspruenglichen
Form ist etwas, was die meisten Menschen in ihrem heutigen
taeglichen Leben vermissen .
Das mag einer
der Gruende sein, warum Taucher immer und immer wieder die Malediven
als Reiseziel waehlen und sogar anderen Zielen vorziehen.
Hat nun das "coral Bleaching"
Einfluss auf die Fische unter Wasser?
Die Antwort lautet : JA.
Der erste sichtbare Effekt am Riff ist eine Zunahme der
Algenbildung speziell an den abgestorbenen Steinkorallen.
Als sofortige Antwort darauf wurde ein
vermehrtes Aufkommen von Rifffischen festgestellt , die mit den
Algen eine Zunahme an Nahrung vorfanden.
Mit
wenigen Ausnahmen konnten Taucher ueberall auf den gesamten
Malediven diese Zunahme von Rifffischen (Einzeltiere und ganze
Schulen) beobachten – in vielen Gebieten wurde sogar eine
verstaerkte Mantasaison gegenueber frueherern Jahren
festgestellt.
Die Hauptattraktion der maledivischen Riffe
ist also nach wie vor anzutreffen – sogar in verstaerktem
Ausmass.
Dazu stehen im Gegensatz Tauchgebiete der
Erde, deren hauptsaechliche Attraktivitaet – die bluehende
bunte Korallenwelt – verblasst und zum Teil ganz abgestorben
ist und wo teilweise auch das Fischvorkommen zurueckgegangen ist.
Die Regierung der Malediven erkennt die
unendliche Wichtigkeit , die marine Welt in ihrem Lebensraum zu
schuetzen und zu erhalten .
Das Ueberleben
aller Ressourcen der marinen Umwelt ist nicht nur im hoechsten
Interesse fuer die zerbrechliche kleine Inselwelt selbst sondern
auch fuer das Interesse und die Attraktivitaet der Malediven als
Reiseziel fuer Touristen und Besucher .
Die
Regierung der Malediven hat dem Schutz und der Erhaltung dieser
Ressourcen – soweit sie Einfluss darauf hat - die
allerhoechste Prioritaet zugeordnet.
Beispiele dafuer sind bereits erlassene Gesetze und Regelungen
zum Schutz der marinen Lebewesen wie dem
Schutz von Mantas, Stachelrochen, Napoleonfischen, Schildkroeten wie
auch ein bestehendes Fangverbot fuer Haie in den Tourismus-Zonen
.
Einige Gebiete wurden auch zu speziell
"geschuetzten Zonen" ("protected marine areas")
erklaert.
POSITIVE GEDANKEN ZUM ABSCHLUSS
Obwohl das "coral bleaching"
weltweit 1998 in verstaerktem Ausmass eingetreten ist, ist es jedoch
keine voellig neue Erscheinung.
Die Riffe
der Malediven sind in einer Aufbauzeit von etwa 60 Millionen Jahren
entstanden.
Waehrend dieser langen
Zeitspanne gab es weitaus gravierendere Veraenderungen in Temperatur
und Hoehe des Meeresspiegels als wir uns heute vorzustellen
vermoegen.
Die Korallen haben alle diese
Veraenderungen ueberlebt und sogar teilweise Verhaltensmuster oder
Reaktionen daraus geformt, um sich an die Veraenderungen
anzupassen.
Es gibt keinen Grund , nicht
anzunehmen, dass sie auch diese voruebergehende Situation zu
bewaeltigen imstande sind – wennauch dies mit einem veraenderten Erscheinungsbild einhergehen
wird.
Das ganze Leben selbst besteht aus
einer staendigen Veraenderung und Anpassungserfordernis und
schlussendlich ist doch die gesamte Evolution mit ihrer Formung
der Artenvielfalt ein Resultat dieser nie abgeschlossenen Anpassung.
Schon jetzt sieht man einen Wachstumsschub
bei gewissen schnellwuechsige Arten wie zB., Weichkorallen und auch
kleine Steinkorallen beginnen sich wieder an Riff festzusetzen.
Positiv sind auch die dereitigen
Wassertemperaturen von ca 27 - 29 Grad , bei denen Korallen generell
am besten und schnellsten wachsen koennen.
Viele Lebewesen (zB. Riesenmuscheln, Anemonen,…) haben
ihre "Algensymbionten" wieder eingelagert und dadurch auch
ihre Farbe zurueckerhalten – sie leben nahezu unveraendert wie
zuvor.
Fuer die Steinkorallen wird es zwar
etwas laenger dauern, aber das gesamte Oekosystem erholt sich
bereits SICHTBAR und die natuerliche Regeneration hat laengst wieder
eingesetzt.
Das Gesamtbild und die
Charakteristik der Korallenlandschaft ist also einer Veraenderung
unterworfen, die aber nicht unbedingt ausschliesslich negativer Art
ist !
Was tatsaechlich geschehen wird kann
kein Mensch vorhersagen und wird die Zukunft weisen – darin
ist aber gerade das Wesen der NATUR begruendet .
Maledivisches Tourismus
Promotions-Board
14. Dezember 1998
PERSOENLICHE BEMERKUNGEN :
Das Team der Mirihi Aqua Base moechte sich
diesen Ausfuehrungen anschliessen und alle Besucher der Malediven
dazu auffordern , mit positiven , offenen
Augen ans Riff zu gehen und die Anstrengungen und Wunder der Natur zu beobachten, der
vergangenen Stresssituation zu begegnen und die jetzt stattfindenden
, POSITIVEN Veraenderungen
wahrzunehmen.
Das Geschehene war weder zu
beeinflussen noch aufzuhalten , jedoch ist es nicht zutreffend und
den Riffen und den betroffenen Gebieten auch nicht foerderlich oder
hilfreich , Panik oder Katastrophenstimmung zu verbreiten, wie es
derzeit in den Medien teilweise veranstaltet wird.
Vielmehr ist es wichtig, sein Wissen
um die Zusammenhaenge zu erweitern und sich und andere objektiv
zu informieren.
Das Tauchgebiet der Malediven und auch das
Schnorchelrevier – gehoert weltweit immer noch zum
Attraktivsten, was die Erde uns zu bieten hat !!
Wir selbst sehen bei unseren Tauchgaengen
eine grosse Kraft der Regeneration in der Natur und wuerden uns
freuen, wenn unsere Gaesten bei den Tauchgaengen Gleiches empfinden
koennen.
Viele Tauchplaetze sind nahezu
unveraendert prachtvoll , andere haben ihr "Gesicht"
tiefenabhaengig veraendert und werden in Zukunft eine weitere
Veraenderung erfahren – jedenfalls gibt es Leben unter Wasser
in Huelle und Fuelle und wer seine Augen den sensiblen Lebewesen
gegenueber oeffnet kann immer noch
DIE WUNDER DES INDISCHEN OZEANS
IM GROSSEN UND KLEINEN
auf wunderbare und faszinierende Art und
Weise erleben !
Mary Eichler & Steve
Stroebel
Mirihi Aqua
Base
Maerz 1999
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