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Wie können Korallenriffe unter der extremen Nährstoffarmut
tropischer Meere existieren? Meeresbiologen vom Zentrum für Marine Tropenökologie
(ZMT) an der Universität Bremen haben darauf jetzt eine Antwort gefunden.
Zunächst galt es jedoch, ein wesentliches
Problem zu lösen: Wie kann man in das Korallenlabyrinth hineinsehen?
Den Bremer Forschern gelang es erstmals, mit Hilfe eines Unterwasser-Endoskops
in die engen Höhlen und Spalten vorzudringen. Bislang wurden Endoskope
in der Medizin eingesetzt, die größeren Exemplare zum Beispiel
zur Magen- bzw. Darmspiegelung. Mit einer speziell entwickelten Miniaturkamera
ist es jedoch auch möglich, das bizarre Labyrinth von Korallenriffen
visuell zu durchwandern und dabei die reiche Besiedlung der Höhlenwände
zu dokumentieren und zu analysieren.
Wie können also Korallenriffe unter der extremen Nährstoffarmut
tropischer Meere existieren? Eine Erklärung scheint jetzt gefunden,
denn die Wissenschaftler stellten auf ihrem visuellen Gang fest, dass
die Wände der Korallengänge und -höhlen dicht, vor allem mit Schwämmen
bewachsen sind. Diese filtern kleinste Nahrungspartikel aus dem durchströmenden
Wasser. "Die Schwämme in den Höhlen führen dem Korallenriff seine Nahrung
zu, indem sie dabei ähnlich wie die Darmzotten im menschlichen Verdauungssystem
funktionieren", erklärt Claudio Richter. Die auf diese Weise eingebrachten
Phosphor- und Stickstoffverbindungen bilden nach Berechnung des deutsch-jordanischen
Teams aus Ökologen, Chemikern und Mikrobiologen eine Quelle lebenswichtiger
Mineralien für die in notorischer Nährstoffknappheit lebenden Korallen.
Tropische Korallenriffe gehören zu den weltweit am stärksten bedrohten
Ökosystemen. Bevor Konzepte für ihren Schutz entwickelt werden können,
müssen ihre funktionalen Zusammenhänge erforscht werden.
Im Golf von Aqaba am Roten Meer führt das ZMT gemeinsam mit seinen jordanischen
Partnen von der Marine Science Station in Aqaba seine Untersuchungen
durch. Die aktuellen Ergebnisse wurden jetzt in der jüngsten Ausgabe
der Fachzeitschrift "Nature" publiziert. copyright:
zmt
Zentrum
für Marine Tropenökologie
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