|
Stand 1/2000
zurück zum
Hai-Spezial
Link
zu Greenpeace
|
|
11. Washingtoner-Artenschutz-Konferenz in Nairobi
Haie haben keine starke Lobby
Text von Greenpeace
Für die 11. WA-Konferenz
in Nairobi liegen zum ersten Mal Anträge vor, drei Haiarten unter Schutz
zu stellen. Die USA, Australien und Großbritannien bieten der Fischindustrie
die Stirn. Anträge der USA und Australien sehen vor, den Weißen Hai
auf Anhang I zu stufen. Die USA möchten außerdem den Walhai und England
den Riesenhai auf Anhang II setzen. Damit wäre der Handel für diese
beiden Arten nur noch eingeschränkt zugelassen und zum ersten Mal wären
wenige Arten dieser Knorpelfische unter Schutz gestellt.
Warum sind Haie bedroht?
Der Weltjahresfang an Haien wird auf gut 100 Millionen Tiere geschätzt.
Diese Zahlen sind sehr ungenau, weil in den Statistiken nur zehn Haie
als Einzelarten erfasst sind, obwohl es über 460 Arten dieser Knorpelfische
gibt. Wahrscheinlich sind die Verluste noch viel höher. Die Internationale
Naturschutz-Union IUCN hält 69 Hai-Arten für gefährdet, elf davon stehen
seit September 1996 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.
Früher wurden Haie als
lästiger Beifang tot oder halbtot über Bord geworfen.
Heutzutage werden Haie vorher "gefinnt": man schneidet ihnen die Flossen
ab, die in der Suppe landen. Die Tiere können nicht mehr schwimmen und
gehen elend zugrunde. Die spezielle Knorpelsubstanz der Flossen ist
nur wegen ihrer Konsistenz gefragt, denn sie ist geschmacksneutral.
Ähnlich wie bei der Schildkrötensuppe wird der Geschmack einzig durch
Gewürze und Zutaten erzeugt. In Hongkong, dem Haupthandelsplatz für
Haifischflossen, wurde 1995 der Import von 6.100 Tonnen getrockneter
Haiflossen gemeldet.
Bei der Jagd auf die immer selteneren Thunfische mit bis über 100 Kilometer
langen hakenbestückten Leinen machen Haie häufig den größten Teil der
Fänge aus.
Großabnehmer für Haiprodukte
ist allerdings auch die Pharma- und Kosmetikindustrie. Die mögliche
Immunität von Haien gegen Krebs wird dazu benutzt, um getrocknete Haiknorpel
u.a. als "Anti-Krebsmittel" zu verkaufen. Aber Haiknorpel gegen Krebs
zu essen ist so ähnlich, als wenn ein Kurzsichtiger durch das Essen
von Adlerfleisch seine Sehkraft stärken könnte. Aber das Geschäft lohnt
sich: alleine in Costa Rica, dem Hauptproduzenten dieser dubiosen Mittel,
sterben deshalb monatlich ca. 10.000 mittelgroße Küstenhaie für solche
Produkte.
Biologie der schnellen
Jäger
Haie leben seit über 400 Millionen Jahren auf der Erde. Sie sind weltweit
verbreitet und gehören wie Rochen und Chimären ("Seeratten") zu den
Knorpelfischen. Ein Großteil der Haie bringen lebende Junge zur Welt.
Die meisten Hai-Arten bekommen nur alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs.
Zum Beispiel wird der Dornhai erst mit etwa 25 Jahren geschlechtsreif.
Das schlechte Image tragen die schnellen Jäger zu Unrecht. In der Natur
fressen sie schwache und kranke Meeresbewohner und haben so eine wichtige
Rolle im Ökosystem. Auf Menschen haben sie keinen Appetit: es gibt pro
Jahr weltweit nur fünf bis fünfzehn tödliche Haiangriffe. Da Menschen
millionenfach im Meer schwimmen, ist der Tod durch Blitzschlag oder
einen Bienenstich hundertfach wahrscheinlicher.
Weißer Hai (Carcharodon
carcharias)
Der Weiße Hai, früher auch "Menschenhai" genannt, wird in der Regel
fünf bis sechs Meter lang. Der Weiße Hai ist trotz seines Namens nicht
unbedingt weiß. Junge Tiere haben eine bräunliche Oberseite, die bei
alten Tieren gräulich oder bläulich wird. Der Jäger ernährt sich, je
nach Größe, von Fischen oder auch von Meeresschildkröten, Delfinen und
Robben. Weiße Haie kommen häufiger an der Kalifornischen Küste, an der
Küste Australiens und Südafrikas vor. Eine wichtige Kinderstube für
Weiße Haie ist z.B. das südliche Mittelmeer. Über die Populationen der
Weißen Haie ist noch weniger bekannt, als über andere Haipopulationen.
Trotzdem weisen eine Reihe von Indikatoren auf einen Rückgang hin. Die
IUCN hat den Weißen Hai bereits 1996 auf die Rote Liste der bedrohten
Arten gesetzt, weil eine Dezimierung der Weißen Haie um mindestens 20
Prozent innerhalb von zehn Jahren festgestellt werden konnte. Einen
hohen finanziellen Wert haben die Zähne, der Kiefer und die Flossen
der Weißen Haie. Der Wert eines Kiefers wurde schon auf 50.000 US-Dollar
geschätzt. Für einen einzigen Haifischzahn muss man ca. 600 Dollar bezahlen.
Die Preise werden bei sinkenden Populationen steigen.
Walhai
(Rhincodon typus)
Der Walhai gehört zu den größten Fischen der Erde (15 bis 18 Meter).
Er ernährt sich hauptsächlich von Plankton. Er lebt in Gewässern des
Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans. Walhaie besuchen u.a.
flache Gewässer in Südostasien. Diese Gewässer sind durch die Einleitungen
von Klärschlamm und Industrieabwässern belastet. An einigen Plätzen
sind die Anzahl drastisch zurückgegangen. Auf den Philippinen sind die
Fänge zwischen 1993 und 1997 in zwei traditionellen Fanggebieten von
4,4 auf 1,7 Haie und von 10 auf 3,8 Haifänge pro Boot zurückgegangen.
Ähnliche Rückgänge werden in Taiwanesischen Gewässern und vor den Malediven
festgestellt. Der Walhai wird wegen seiner Flossen und seinem Fleisch
von Menschen in verschiedenen Regionen Asiens gejagt - trotz seines
Schutzstatus in Ländern, wie z.B. den Philippinen.
Riesenhai (Cetorhinus maximus)
Der Riesenhai lebt in gemäßigten und kälteren Gewässern der nördlichen
und südlichen Hemisphäre. Er ernährt sich im wesentlichen von Plankton
und ist für Menschen ungefährlich. Mit bis zu 15 Metern Länge und einem
Gewicht von fünf bis sieben Tonnen ist er nach dem Walhai der zweitgrößte
Fisch der Welt. Riesenhai-Junge werden mit einer Größe von etwa anderthalb
Metern lebend geboren. Der Riesenhai steht seit 1996 auf der Roten Liste
der IUCN. Er ist durch Überfischung und Beifang vom Aussterben bedroht.
Bestandszahlen gibt es kaum. Riesenhaie werden im Nordost-Atlantik von
norwegischen Fischern gejagt - wegen ihres Leberöls, aber auch wegen
anderer Produkte, wie z.B. Knorpel. Besonders attraktiv sind die Flossen:
in manchen asiatischen Ländern werden hohe Preise bezahlt. 1994 wurden
Riesenhai-Flossen für bis zu 30.000 US-Dollar pro Stück gehandelt.
Was
wird in Nairobi diskutiert?
Grundsätzlich sind die großen Fischereinationen wie Japan, Spanien oder
Länder Lateinamerikas gegen die Unterschutzstellung kommerziell genutzter
Fischarten. Dies würde den Walhai betreffen, der vor allem in Asien
genutzt wird. Der Riesenhai wird vorwiegend von norwegischen Fischern
gejagt. Es wird sich zeigen, ob Norwegen eine grundsätzliche Position
gegenüber dem Artenschutz einnehmen wird. Der Weiße Hai wird kommerziell
nicht genutzt, weshalb er die größten Chancen hat, auf eine Liste zu
kommen. Allerdings unterstützt die EU nur eine Listung auf Anhang II.
Greenpeace fordert:
- Die Vertragsstaaten
müssen den Antragstellern USA, Australien und England folgen und die
beantragten Haie unter Schutz stellen. Das wäre aber nur ein erster
Schritt. Schutz vor Ausrottung bietet nur der Anhang I, Anhang II
kann illegalen Handel und Schmuggel attraktiv machen)
Greenpeace,
Januar 2000 v.i.S.d.P: Ingo Bokermann
Zum Seitenanfang
|